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Punktlandung in der Eifel

Der Sommer 2004 war im Rheinland bis Ende Juli ganz anders als der grandiose, immerschöne und heiße 2003er Sommer. Ständig wechselhaftes Wetter und furchtbare Unwetter. Für Schmetterlinge keine leichte Zeit.

Nachdem die Wettervorhersage endlich noch einmal einen schönen Tag voraus gesagt hatte, nahm ich mir kurzerhand Urlaub und begab mich in die nahe Eifel auf die Suche nach dem Großen Schillerfalter.

Richtige Wahl des Ortes
Fundstelle des Großen Schillerfalters; Autor:: Ingo Daniels
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Ich hatte den Falter insgesamt erst zwei Mal zu Gesicht bekommen - zuletzt vor 25 Jahren im Bayrischen Wald - und ich wollte diesen Missstand an diesem Tag aus der Welt schaffen.

Den anvisierten Beobachtungsort, ein Flusstal in der nahen Eifel, kannte ich schon von einer einige Jahre zurück liegenden Fahrradtour. Es war dort seinerzeit trotz schönem Wetters furchtbar nass und mit dem Fahrrad musste man sich durch schlammige Wege quälen. Ich hatte damals während einer Pause einen hoch in einem Baum sitzenden abgeflogenen Schmetterling gesehen. Ich war mir nicht sicher gewesen, aber es hätte der Große Schillerfalter sein können.

Wie ich der Literatur am Vorabend meines Ausflugs entnehmen konnte, schien die feuchte Landschaft den Ansprüchen des Falters auf jeden Fall gerecht zu werden, also versuchte ich einfach mein Glück.

Es war gerade einmal 10:30 Uhr am Morgen. Ich hatte mit meinem Fahrrad ab dem Beginn des Flusstals erst ein paar Hundert Meter zurück gelegt, da hielt ich an, um einen umher fliegenden Admiral zu beobachten. Der Morgennebel hatte sich gerade erst aufgelöst und die ersten Sonnenstrahlen schafften es, den Boden zu erreichen.

Das Glück des Tüchtigen
Großer Schillerfalter an Kot saugend; Autor:: Ingo Daniels

Ich holte meine Kamera heraus, um den Admiral zu fotografieren.

Ich konnte es nicht glauben!

Neben dem stark abgeflogenen Admiral saßen zwei große dunkelgraue Falter.

Es waren Große Schillerfalter! Nachdem ich bei den ersten Fotos noch sehr vorsichtig war, traute ich mich immer näher an die Falter heran. Doch diese ließen sich bei ihrer Beschäftigung in keinster Weise stören. Seelenrühig saugten sie auf der Wiese an Schafskot. Ab und zu flogen sie auf, zogen in ein bis zwei Meter Höhe ein paar Kreise und setzten sich dann wieder um ihr Sauggeschäft weiter zu führen.

Kurz nach der Landung zeigten sie gelegentlich noch ihre Flügeloberseiten, aber es dauerte nicht lange, und sie saugten nur noch mit zusammen geklappten Flügeln - meist mit einer Seite zur Sonne ausgerichtet.

Auf einem der Fotos ist die Fundstelle zu sehen. Am linken Waldrand führt ein nicht geteerter Weg in etwa östlicher Richtung vorbei. Rechts von dem Weg befindet sich eine von Schafen abgegraste Wiese, auf der auf der linken Seite ein einzelner Apfelbaum steht.

Hurra, es sind Männchen!
Großer Schillerfalter an feuchtem Stroh saugend; Autor:: Ingo Daniels

Gelegentlich landeten die Falter auch senkrecht auf dem Stamm des Apfelbaums.

Hin und wieder wurde auch ein größerer Ausflug über links vom Apfelbaum stehende Nadelbäume (wahrscheinlich Tannen) gemacht. Dort oben konnte ich auch noch weitere Große Schillerfalter fliegen sehen.

Wenn die Falter mit ihren Flügeloberflächen zwischen mir und der Sonne einen bestimmten Winkel einnahmen, zeigte sich der für den Großen Schillerfalter typische blaue Schiller auf den Flügeln. Es handelte sich also um Männchen.

Mit zusammen geklappten Flügeln sind die Schmetterlinge auf der Wiese nicht leicht auszumachen. Eine ganze Zeit lang hatte ich beide aus den Augen verloren und erst nach ein paar Minuten fand ich zuerst einen und dann auch den anderen wieder.

Schließlich widmete ich mich intensiv einem der beiden Falter. Bald hatte er sich an meine Anwesenheit gewöhnt.

Auch mein Fahrrad mundet
Großer Schillerfalter am Lenker meines Fahrrads saugend; Autor:: Ingo Daniels

Immer wieder umkreiste er mich einige Male im Flug, wobei sich in besonderem Maße der faszinierende Farbwechsel zwischen blau und scharz auf seinen Flügeln zeigte.

Danach setzte er sich dann auf die gleiche Stelle mit Schafskot und saugte mit seinem hellgelben Rüssel.

Es dauerte nicht lange und er zeigte Interesse an meinem roten Fahrrad, welches auf dem Weg direkt neben dem Apfelbaum abgestellt war.

Nach einigen Aufklärungsflügen um das Rad ging es zuerst auf Vorbau und Lenker. Die angeflogenen Stellen wurden sorgfältig abgesaugt.

Großer Schillerfalter am Zahnkranz meines Fahrrads saugend; Autor:: Ingo Daniels

Der vordere Zahnkranz wanderte als nächstes auf den Speiseplan.

Anscheinend ist Kettenfett eine gelungene Abwechslung in der Ernährung der schönen Schmetterlinge.

Trotz des mittlerweile sehr schönen und nicht zu warmen Wetters (ca. 23 Grad) fanden sich nur wenige andere Schmetterlinge auf der Wiese:

Außer den beiden Großen Schillerfaltern und dem abgeflogenen Admiral fanden sich noch ein C-Falter und ein paar Kaisermäntel, Große Ochsenaugen und Kleine Kohlweißlinge.

Nun bin ich an der Reihe
Großer Schillerfalter an meinem Wanderschuh saugend; Autor:: Ingo Daniels

Als der Falter mit dem Fahrrad fertig war, entdeckte er mich als lohnende Nahrungsquelle.

Meine Hose und meine dreckigen Wanderschuhe hatten es ihm angetan.

Und er hatte die Ruhe weg. Weitergehen störte ihn nicht im Geringsten.

Nur penetrantes Anstubsen mit dem Finger konnte ihn "verjagen".

Warum sieht man sie so selten?
Großer Schillerfalter; Autor:: Ingo Daniels

Den letzten Großen Schillerfalter habe ich in meiner Heimatstadt Bonn bzw. in der Umgebung gegen Ende der Siebziger Jahre an den Uni-Kliniken auf dem Venusberg gesehen.

Wahrscheinlich ist das "Bereinigen" der Waldränder und das damit verbundene Ausholzen von Salweiden (Salix caprea) und anderen wichtigen Raupenfutterpflanzen für sein Verschwinden in und um Bonn mit verantwortlich.

Da der Falter, wenn er in den Baumwipfeln fliegt oder saugend auf dem Boden sitzt, nicht leicht zu sehen ist, könnte es aber auch noch das eine oder andere unentdeckte Plätzchen geben (z.B. im nahen Siebengebirge), an dem der Große Schillerfalter noch heimisch ist.

Wie auch immer:

Die etwa zweistündige Begegnung hat zu einem einzigartigen und unvergesslichen Erlebnis geführt.